Stellungnahme des Vorstandes zum geplanten Naziaufmarsch am 30. Juli 2005

Am 30. Juli (also am selben Tag wie unser Sommerfest) findet eine Demo rechter Gruppierungen im Duisburger Norden statt. Hierzu wollen wir Stellung beziehen, um Ängste unser Besucher abzuwenden und ein Zeichen gegen Rechts zusetzen. Dabei muss betont werden, dass der Naziaufmarsch uns nicht mehr und auch nicht weniger betrifft, als alle Bürgerinnen und Bürger, denn Fakt ist:

  • Die Demo findet zwar wie unser Sommerfest statt, jedoch nicht in der Innenstadt sondern etwa 15-20 km von uns entfernt in Marxloh.
  • Sehr wohl stimmt es, dass auch der dem Sommerfest nahegelegene Hauptbahnhof als Verkehrsknotenpunkt von Demonstranten und Gegendemonstranten genutzt wird. Die Ordnungsbehörden haben uns persönlich(!!!) erklärt, dass dies weder eine Gefahr noch eine Beeinträchtigung für uns Schwule und Lesben darstellen wird. Auf Grund der nicht geringen Erfahrungswerte der Ordnungsbehörden mit Demonstrationen und Gegendemonstrationen vertrauen wir dieser fachlichen Einschätzung.
  • Natürlich erklärt sich AkDuLuS mit den Gegner der Demonstration solidarisch, wie es wohl jede Demokratin und jeder Demokrat macht. Dies haben wir allen Mitglieder, die die Eigeninitiative gezeigt haben versichert und wollen wir auch umsetzen. Jedoch verweisen wir auch auf den kurzen Zeitraum, seitdem wir erst Kenntnis von der Demo haben. Konkrete Aktionen zu planen und zu koordinieren braucht Zeit und sollte nicht aus den Bauch heraus geschehen. So etwas sollten Reaktionen unserer Meinung nach durchdacht sein. Gewalt von Rechts begegnet man doch vor allem mit Vernunft und Verstand und nicht mit unkoordinierten Kurzschlussreaktionen!!!
  • Auf die Frage ob eine Stellungnahme in der Öffentlichkeit nicht dringend notwendig sei und sogar von unsere Satzung [Zweck des Verein AkDuLuS laut Satzung: „….durch Stellungnahmen zu sexualwissenschaftlichen, pädagogischen, theologischen, medizinischen, sozialen, rechtlichen und politischen Fragen die Schwule/Lesben betreffen“] gefordert werde, möchten wir mit einen klaren NEIN antworten!
    Die Demonstration betrifft keine explizit Schwulen- oder Lesbenpolitischen Themen. Sie ist als eine Demonstration gegen den Bau von Moscheen in Deutschland gemeldet. Nur weil sie von Rechtsradikalen durchgeführt wird, sehen wir dort keinen Sinngemässen Zusammenhang zu unserer Satzung. Wir beschweren uns ja auch nicht öffentlich über Bundesligaverstalltungen, nur weil einige Besucher einem Homofeindlichen Milieu zugeordnet werden können.
    Zudem wollen wir den Demonstranten auch nicht mehr und nicht weniger Aufmerksamkeit beikommen lassen, als es nötig ist; bedenkt man doch gerade dass die große Medienpräsents ein gewollte Intetion der Rechten ist.

FlaggeZeigen

Wir können die persönlichen Meinungen vieler von Euch nachvollziehen, dass ALLGEMEIN etwas geschehen sollte und teilen diese Meinung auch als persönliche Meinungen, aber auch dies stellt keinen Bezug zu einer SCHWULEN- UND LESBENSPEZIFISCHEN her. Dies sollte daher auch in Ausmass unseren Reaktionen widergespiegelt werden.
Auf Grund der oben genannten Fakten hoffen wir, dass jedem klar sein sollte, warum sich der Vorstand zu seinem eingeschlagen Weg entschieden hat. Die geplante Vorgehensweise lautet daher in drei Punkten zusammengefasst:

  1. Wir müssen den kleinen Zeitrahmen bis zur Demo und zu unserem Sommerfest bestmöglich nutzen, Flagge zu zeigen und Solidarität zu bekunden. Dafür ist unser Sommerfest als politische Veranstaltung durchaus zu nutzen.
  2. Dabei wollen wir „keine Pferde scheu machen“, d.h. wir wollen auf fachliche Einschätzungen der Ämter zurückgreifen und keine falsche Panik entstehen lassen. Zudem wollen wir auch unsere schwul-lesbischen Rechte und Interessen nicht als Rechte und Interessen zweite Klasse darstellen lassen. Dieser Eindruck entsteht leider viel zu schnell, wenn wir die bemitleidenswerten Rechten und Ihre Demo wichtiger nehmen als die Werte unseres Duisburger CSD-Sommerfestes.
  3. Im Gegensatz zu den Rechten, die sich durch Ablehung von Werten (GEGENAusländer, GEGEN Menschlichkeit, GEGEN Anderssein, etc.) definieren, wollen wir als Angelpunkt die Werte vertreten, die wir aktiv bejaen (FÜR Toleranz, FÜR Demokrische Strukturen, FÜR Vielseitigkeit in den verschieden Lebensweisen, etc.).

Daher wollen wir unser Sommerfest nutzen, um friedlich und im angemessenen Ausmass Flagge zu zeigen.

Duisburg 21. Juli 2005

Der Vorstand

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